Atem ist Schöpfung

Dein Atem ist ein Schlüssel für deinen Ausdruck in der Welt!

Von einem Menschen habe ich gehört, der in der tiefsten aller Finsternisse gelebt hatte . Niemals hatten seine Augen auch nur den Schimmer eines Lichtes gesehen, als läge er am Grunde einer tiefen Schlucht. 

Von einem Menschen habe ich gehört, der in der Stille gelebt hatte. Kein Geräusch, nicht einmal das leiseste war je an sein Ohr gedrungen. 

Von einem Menschen habe ich gehört, der wahrhaftig dauernd unter Wasser gelebt hatte, in einem seltsam lauen Wasser und der dann mit einem Male in eisige Kälte emportauchte.

Und er entfaltete seine Lungen, die nie zuvor geatmet hatten. Und er lebte. Mit einem einzigen Atemzug füllten sich diese Lungen, die von Anbeginn zusammengefaltet waren.

Und dann schrie dieser Mensch.

und man vernahm auf der Erde eine bebende Stimme,

nie zuvor gehört.

Sie drang aus einer Kehle, aus der noch nie ein Laut erklungen war…

Maria Montessori

Dieser Text von Maria Montessori beschreibt für mich sehr eindrücklich, das Wunder vom Leben – und das Wunder des Atems.

Nach unserer Geburt ist es unsere erste lebenswichtige Handlung zu atmen – dann leben wir – bis zu unserem letzten Atemzug.

Das Atmen ist eine Verbindung mit der Welt außerhalb unseres Körpers. Die Luft, die Atmosphäre, den Duft und die Welt nehmen wir mit dem Einatmen in unser Inneres auf – und geben Informationen, Stickstoff, Atmosphäre aus unserem Inneren wieder zurück in die Welt.

Unsere lebendigste Energiequelle ist unser Atem!

Physiologisch versorgt der Atem den Körper mit Energie, die bis ins Zellinnerste transportiert wird. Die Atmung dient dem Gasaustausch, der Aufnahme von Sauerstoff und der Abgabe von Kohlendioxid. Der Gasaustausch erfolgt in der Lunge und wird über die Blutgefäße in jede einzelne Körperzelle transportiert.

Das Zwerchfell wölbt sich nach unten und bewegt und massiert die Organe.

Die Zwischenrippenmuskeln dehnen sich mit jeder Einatmung aus.

Je tiefer und entspannter wir atmen, desto freier und organischer können unsere natürlichen Körperfunktionen miteinander wirken. Bei uns Menschen ist die Atmung in der Regel unwillkürlich -vom Stammhirn- gesteuert. Da die Atemsteuerung eng mit dem vegetativen Nervensystem verbunden ist, können wir über die Atemregulierung sogar darauf Einfluss nehmen.

Geistig und psychisch versorgt uns der Atem mit Lebensenergie. Er verbindet uns mit dem Puls des Lebens. Ebenso wie wir in den Natur Rhythmen z.B. Tag und Nacht vorfinden, können wir durch das Ein- und Ausatmen Rhythmen und Polaritäten körperlich spüren.

Den Einatem verstehe ich dabei als ein Aufnehmen und Energie halten und den Ausatem als eine aktive und gleichzeitig entspannte Handlungsenergie nach Außen.

Etymologisch haben die Begriffe Atem und Geist/Seele die gleiche Wurzel. Lateinisch heißt Spiritum: Geist und Spiritus: ATEM.

So kann ich mir vorstellen, dass wir mit dem Einatem GEIST aufnehmen und mit dem Ausatmen den im Inneren verwandelten Geist wieder zurück in die Welt geben.

Den selben Wortstamm finden wir im Wort INSPIRATION, was wörtlich „Einhauchen“ bedeutet.

Im Indischen ist Prana (Atem) die eigentliche Lebenskraft, in der Bibel haucht Gott den ersten Geschöpfen seinen „Odem“ ein und macht damit seine Wesen zu lebendigen Seelenwesen.

Atem ist Wandel! 

Wir sind weder der Atem, noch gehört uns der Atem.

Vielmehr ist es so, dass wir den Atem erfahren können und wir zum Atem gehören, der uns Leben und Austausch mit der Welt unmittelbar ermöglicht.

Durch unseren Atem sind wir ständig in Verbindung, mit uns, mit der Welt und mit anderen Wesen: Ich verstehe den Atem wie eine Nabelschnur durch die das Leben in uns und durch uns hindurch fliesst. Jeder Mensch und jedes Tier atmet dieselbe Luft; damit sind wir mit Allem und miteinander verbunden, ob wir es wollen oder nicht.

Atem steht also in enger Beziehung zu unseren Kontakten in der Welt!

Die Atembewegung beeinflusst unsere Emotionen. Emotionale und organische Störungen gehen oft mit Atemstörungen einher.

Wenn du ein gesundes Baby anschaust, kannst du sehen, dass es entspannt und tief atmet und sein kleiner Bauch sich dabei wölbt und wieder flach wird. Die Lunge füllt sich vollständig mit Luft, der Atem fließt frei und bewegt den ganzen Körper. Wenn das Baby schreit oder lacht, dann tut es das von Kopf bis Fuß. Das Baby hält keine Gefühle oder Impulse zurück. Es IST einfach.

Es ist dem EINSSEIN, nach dem wir uns oft sehnen sehr nahe.

In der Entwicklung von vielen Menschen geschieht dann etwas, was dieses EINSSEIN stören kann. Wir können es „Erziehung“ nennen:

Ein Erwachsener fordert ein Kind auf, mit seinem Ausdruck, z.B. dem Lachen oder Weinen aufzuhören. Damit das Kind – oft um der Liebe willen, die es sich von diesem anderen Menschen wünscht – der Aufforderung entsprechen kann – hält es seine Welt und seinen Atem an: Es unterbricht  die organische Verbindung zwischen sich und der Welt um die Verbindung zur geliebten Mama nicht zu gefährden.

Auf diesem Weg verlernen viele von uns unser natürliches Atmen und verlieren die Verbindung zur Welt

Um unser „Paradies“ zurück zu erobern dürfen wir uns erinnern, unseren Atem frei zu lassen.

Ich wünsche dir viel Freude mit deinem lebendigen & freien Atem!

Mirjam